Fragen Sie John Banville:
»Er ist der ultimative Profi, ein Maschinenmensch ohne Background, ohne Posen und ohne Gefühle und trotz allem eine eigentümlich anrührende Figur.«
1997 holte Donald Westlake seinen Antihelden Parker aus der Versenkung hervor. Es war fast ein Vierteljahrhundert her, seit Parker zuletzt Ausgang hatte, aber wenn irgendein Ganove so lange im Kühlhaus überleben konnte, dann war es dieser alterslose, geradezu teuflisch anpassungsfähige Schurke, der nie die Nerven verliert. Parkers Gesicht ist völlig ausdruckslos: Seit einer Gesichtsoperation sind seine Züge starr und undurchschaubar, »nur die Augen sind vertraut, kalt und hart«. Parker ist weder introvertiert noch extrovertiert, er ist ein undurchdringliches Rätsel, entschlossen, seine Ziele zu erreichen, auch wenn dabei hier und da ein paar Leichen auf der Strecke bleiben. Er passt sich seiner Umgebung an, um nicht aufzufallen, er hat keine liebenswerten Marotten oder Manierismen, kein Innenleben, das hin und wieder nach außen dringt, keine Träume, keine Reuegefühle, keine beiläufig geäußerten Meinungen, und kein Smalltalk kommt ihm je über die Lippen. Den Geschwätzigen in seiner Mannschaft misstraut er – sie sind unzuverlässig und laufen Gefahr, sich auf Nebenschauplätze zu verirren –, und noch weniger Geduld bringt er auf für Klugscheißer. Ausschließlich definiert durch die Entscheidungen, die er trifft, und die Anweisungen, die er gibt (meist im Stil von »Runter auf den Boden« oder »Mach das Licht aus«), ist Parker eine unglaublich eindrucksvolle Mischung aus physischer Kraft, krimineller Logik, mürrischem Auftreten, handwerklichem Geschick, taktischem Einfallsreichtum und Entfesselungskunst.
Das wahre Thema von Fragen Sie den Papagei ist das, was den Kleinstädtern, die hinter Parker her sind, auf der Seele brennt, der Zorn, die Ungerechtigkeit, die Frustration, die unter der scheinbar harmlosen Oberfläche brodeln. (. . .) Wo die meisten Fernseh- und Kino-Kriminaldramen sich wie in einer Hochglanzbroschüre voll glitzernder Skylines, nacktem Fleisch und Hightech-Spielzeug entfalten, hält sich Stark an die Seitenstraßen. Parker und seine jeweiligen Teams gehen ihrer Arbeit nach in den tristen, heruntergekommenen Winkeln des Landes, die von Fortschritt und Wohlstand vergessen worden sind. Pooley im nordwestlichen Massachusetts, wo Fragen Sie den Papagei spielt, ist so ein Ort. Und dass Parker dem eigenbrötlerischen Rentner Lindahl, der sonst Gefahr liefe, den Rest seines Lebens dösend vor dem Fernseher zu verbringen, zu seinem (und seinem eigenen) Glück verhelfen will, ist wahrscheinlich die barmherzigste Tat, die Parker in seiner ganzen mörderischen Laufbahn je vollbracht hat. Und was mit dem Papagei passiert? Fragen Sie nicht! Unser Schnabel bleibt versiegelt.
James Wolcott in der New York Times (3. Dezember 2006)

